Hamburg: Japanisch-Peruanische Küche im Nikkei Nine

Wer an mehr als einhundert Tagen im Jahr ausser Haus speist, kocht in der Heimat gern selbst. Deshalb hätte ich aus dem Stehgreif eigentlich mehr über die Londoner Restaurantszene zu berichten als über die von Hamburg. Nun aber verschlug es uns einmal wieder ins Nikkei Nine, wo schon seit einigen Monaten mit Song R. Lee ein neuer Koch am Herd steht.

An der Alster, eine Perle

Das Nikkei Nine ist ganz einfach zu finden. Wenn man schon einmal gerade in der Hamburger Innenstadt rund um die Alster ein paar Dinge zu erledigen hat und dann einen Kaffee trinken möchte, trägt es einen, der guten Lage wegen (und wenn man dem noch günstiger gelegenen Starbucks widerstanden kann – was mir gar nicht schwer fällt) fast automatisch ins Café Condi des Hotel Vier Jahreszeiten. An Tee und Kaffee gibt’s nichts zu meckern, die Eclair sind schön wie in Paris (und schmecken auch so) und die Damen im Service lächeln einen auch mal an, was unterhalb von „Five-Star“ schon gar nicht selbstverständlich ist (aber das ist eine andere Geschichte). Sowohl in den Räumlichkeiten des Condi als auch vor dem Fenster, wo der Blick auf die Alster höchstens mal von hochpreisigen Autos getrübt wird, findet sich eigentlich nichts, was Auge oder Sinne beleidigt.

Das macht gute Laune und spendabel und so kann ein träger Nachmittag mit einem frühen Abendessen gekrönt werden. Denn beim Verlassen des Condi, wenn man nicht – schwupps – nach recht, sondern – hoppla-, nach links abbiegt, sitzt man eigentlich schon im Nikkei Nine auf der Couch eine Treppe tiefer. 

Das Nikkei Nine bietet zwar keinen Alsterblick, verströmt dafür eine oligarchenhafte Nachtklubatmosphäre, welche man sonst eher aus London oder Baku (!) kennt. Was nicht weiter stört, denn der Abend ist jung und die Party hat noch nicht begonnen. 

Cheviche, Hamachi und Wagyu

Im Nikkei Nine kocht seit letztem Sommer Song R. Lee seine Version einer japanisch-peruanische Fusionküche, wie uns Sascha, unser Kellner für diesen Abend erklärt und auch relativ schnell für uns eine attraktive Speisenfolge zusammenstellt. Wir lassen uns das gern gefallen, fragen hier und dort nach, fachsimpeln ein wenig, der Mann hat Witz, offensichtlich Spaß am Essen und weiß was er verkauft. Da lasse ich mich gerne fremd bestimmen. 

Zuerst „verschreibt“ uns Sacha eine mit Miso zu sagenhaften Würzigkeit und Schlotzigkeit verarbeitete Aubergine mit Pankocrunch und Paprikapüree (Miso Aubergine Dengaku). Die Aubergine kommt zeitgleich mit einem blumengeschmückten und mit Forellenkaviar bekrönten wunderbar erfrischenden Ceviche auf den Tisch. Es folgt Hamachi Tataki (Gelbschwanzmakrele in Misokaramell mariniert und anschliessend nur leicht angebraten). Die Gerichte haben „wumms“, wie unser kompetenter Kellner das bereits angekündigt hatte, er sagte „an den europäischen Gaumen angepasst“.

Es schmeckt würzig, salzig, umamig (sagt man das so?), vom Geschmacksbild nichts für Makrobiotiker. In Japan würde man bedeutend weniger würzen, aber in Peru, für mich noch ein weißer Fleck auf der Landkarte, womöglich schon. Wir sind sehr angetan und von der Qualität des Fisches ehrlich beeindruckt, selbst hier an Hamburgs Wasserkante ist so eine Qualität selten. Gleiches gilt für den „Koji Kabeljau“, gegrillt und serviert mit einer wunderbar vegetabilen Ingwer-Petersilien-Chimichurri.

Der nächste Gang besteht aus 60 Gramm Wagyu der Qualitätsstufe A5 mit Shiso-Wasabi und süßsauer eingelegten Gurken. Fett ist beim Wagyurind ein Qualitätsmerkmal, A5 ist die höchste (zumindest hierzulande) erhältliche Qualitätsstufe und sehr fett. So fett, dass wir nach diesen wenigen zierlichen, auf einem heißen Stein gegarten Scheiben, plötzlich sehr satt sind. Weshalb wir dem ebenfalls sehr gehaltvolle Secreto (verstecktes Schweinefilet) vom Ibericoschwein mit köstlichem Puree von gesmokter Aubergine und Süßkartoffel, serviert mit einer Schüssel Pimientos de Padrón , nicht mehr die Aufmerksamkeit angedeihen lassen können, die ihm bestimmt gebührt hätte.

Vielleicht erschien mir der Sprung von Dashi und Teriyaki zu Pimientos de Padrón auch ein bisschen weit. Aber das kann an mir liegen. Es wird Zeit Peru einen Besuch abzustatten. 

  • Nikkei Nine
  • Neuer Jungfernstieg 9, 20354 Hamburg
  • Lunch: Montag bis Samstag 12.00 – 14.30h
  • Dinner: Donnerstag bis Samstag 18.00 – 00.00h, Sonntag bis Mittwoch 18.00h – 22.30h
  • https://nikkei-nine.de/de/