Weihnachtszeit im Schokoladenparadies

Schokoladengeschäft Stüdemann Hamburg

Das Schokoladen-Fachgeschäft Stüdemann’s im Hamburger Schanzenviertel

Schokoladenladen Pferd

Weihnachtszeit ist SchokoladenZeit. Schokolade umhüllt Lebkuchen und Marzipan. Schokolade ist in funkelndes Gold- und Silberpapier gewickelt und mit Schokolade und etwas Geschick kann mit heißen Kakao anrühren. Im Dezember dürfe Kinder jeden Morgen ein Türchen ihres Adventskalenders öffnen und ein Stückchen Schokolade entnehmen – aber nur eins! Sich Gedanken über Schokolade zu machen, geht nicht, ohne dass sich Kindheitserinnerungen einstellen.

In meiner Kindheit war Schokolade ein kostbares und limitiertes Gut. Deshalb betraf eine der mächtigsten meiner kindlichen Phantasien über mein zukünftiges Dasein als Erwachsene, die freudig ersehnte Annahme, dass ich dann mit selbstbestimmten Schokoladenkonsum würde rechnen dürfen. Ein Erwachsener darf erstens ins Bett gehen wann er will, und, logo – zweitens über Zeitpunkt und Menge seines Süßigkeitenaufnahme selbst bestimmen!

Meine zweite kindliche Wunschphantasie bestand darin, mir auszumalen, wie es wäre, über Nacht in einem Kaufhaus eingesperrt zu sein. Was man da alles anstellen könnte! Da funkten die Synapsen im kindlichen Hirn! Mein frühkindlicher Realitätssinn hatte aber, um den Schwierigkeitsgrad der Überlegungen zu erhöhen, ein Dilemma eingebaut: würde ich die Nacht lieber bei den Spielwaren- oder in der Süßwarenabteilung verbringen wollen, ich mußte wählen. Man sieht – noch nicht einmal Kindheit ist einfach.

Handgemachte Kekse aus Polen

Aus diesem Grund ist es manchmal wichtig sich den Freuden des Erwachsenendaseins bewußt zu werden, denn manch frühere Phantasie, die eigene Zukunft betreffend, geht wirklich in Erfüllung! Meine Lust an Süßem hat mich über die Jahre nicht verlassen, sondern sich lediglich stetig verfeinert. Jahrzehnten der Übung sei Dank!

Stüdemanns – Kaffee, Tee, Schokolade und Gebäck seit 1954

Der Ort, an dem ich meine frühkindlichen Schokoladenphantasien auslebe, ist bevorzugt die Süßwarenhandlung Stüdemann im Hamburger Schanzenviertel.

Zwar kenne ich die Pariser Tempel von Ladurée, die heiligen Hallen von Pierre Marcolini in Brüssel, auch bei Lindt & Sprüngli in Zürich habe ich mich durch die Auslagen gefuttert. Pralinen von Läderach genossen, die edel verpackten Tafeln in den noch edleren galerieähnlichen Räumen der New Yorker Schokoladenhersteller „Mast Brothers“ in London probiert, und die im vornehmen Jugendstil gehaltene Konditorei Demel in Wien besucht. I had them all – wenn ich das mal so sagen darf.

Aber am allerliebsten kaufe ich meine Schokolade bei Stüdemann im Hamburger Schanzenviertel. Denn erstens ist das Sortiment wirklich wirklich groß. Eigentlich zu groß für die Größe des Ladens. Deshalb sieht es hier auch nicht aus wie in einer Galerie, sondern die Holzregale, die sich bis zur Decke stapeln sind dicht bepackt mit Tafeln und Schachteln und Gläsern und Dosen und mit in Cellophan gewickelten Keksen. Stüdemann hat sie (fast) alle – das „Who is Who“ der Schokoladenwelt. Darüber hinaus feines Gebäck, Tees und Kaffee, sowie hübschen Klimbim, den berühmten „Schanzensekt“ und eine kleine Auswahl an Marmeladen, Weinen, Salz und anderen Kleinigkeiten, die einen solchen Laden zu einem Ort der Entdeckungen machen.

Tafelschokoladen im Regal

Und zweitens sind die Besitzerinnen und Betreiberinnen von Stüdemanns, Frau Jutta Franck,  Tochter von Karl Wilhelm Stüdemann, der das Geschäft 1954, damals noch als Großhandel, gründete und Frau Anneliese Schwanz, Mitarbeiterin der ersten Stunde und seit dem Ableben des Patrons, Mitbesitzerin, ideologiefreie Experten.

Die Damen kennen und schätzen die reinen und unverfälschten Freuden einer 100 Prozent-Kakao-Schokolade von Domori, Cluizel, oder Original Beans, sie sind sich aber auch nicht zu fein Lakritz-Salmis zu verkaufen, und verteidigen die Freuden einer guten Tafel Edelvollmilch von Hachez. Sie führen sogar bunte Bonbons!

Bei Stüdemanns kann man ausführlich über Schokolade fachsimpeln

Mit dem Team von Stüdemanns, zu dem auch noch eine Schwester und eine Schwägerin von Frau Franck, sowie eine freie Mitarbeiterin gehören, kann man sich ausgedehnt über jeden erdenklichen Aspekt von Schokolade unterhalten. Welcher Hersteller conchiert wie lange? Welcher Zucker wird verwendet oder kann man auf Zucker in Schokolade verzichten? Die Damen halten alten Handwerksbetrieben über Jahrzehnte die Treue wenn sie vom Produkt überzeugt sind. Der Berliner Schokoladenmanufaktur Hamann zum Beispiel, die wenig Geld für Werbung ausgibt, aber seit jeher (und  immer noch) jede einzelne Tafel von Hand verpackt, in Papier, dessen Design seit 1924 besteht. Die Schokoladendamen preisen „Geheimtipps“ an, wie etwa die österreichische Firma Pichler, die – Achtung! – bis zu 150 Gramm gefüllter Schokolade von Hand in eine 100-Gramm-Tafel schöpft, und erörtern, wie man aus Valrhona-Kakaopulver einen schmackhaften Kakao zubereitet. Frühzeitig öffneten sich die Damen dem Trend zu zu sortenreinen Edelkakaotafeln wie dem zu veganen und laktosefreien Schokoladen. Natürlich erst, nachdem die Qualität stimmte.

Sprotten aus Schokolade

In den fünfziger Jahren waren bei Stüdemann Salzstangen der Renner, heute sind die Schokoladen der österreichischen Manufaktur Zotter beliebt, deren riesiges Sortiment die Damen von der Schokotheke beinahe auswendig kennen, was wirklich eine Herkulesaufgabe ist. Mit Frau Franck erörtere ich, ob ich heute zum Dessert mal „Bergkäse-Walnüsse-Trauben“, oder „Gojibeeren in Sesamnougat“ oder „Kaffeepflaume mit Speck“ probieren sollte.

Das tolle an Schokolade ist ja , man kann sich auf diesem Genußgebiet, ganz anders als beispielsweise bei Rotwein (Autos/ Juwelen/ Immobilien), wirklich das Beste vom Besten leisten. Top-Premium gibt es ab fünf Euro die (50 Gramm) Tafel, die Damen von Stüdemanns beraten sie gern!

Stüdemanns
Schulterblatt 59
20357 Hamburg
Telefon: 040 4300633