Singapurs Chili Crab: alle wichtigen Adressen – und das Original!

Crab für Chili Crab

Chili Crab, eines der kulinarischen Wahrzeichen Singapurs

Chili Crab ist, neben Hainanese Chicken Rice, eines der kulinarischen Wahrzeichen Singapurs. Ein Festessen, dessen Hauptzutat ein stattliches Meerestier, die Mangrovenkrabbe (lat. Scylla Serrata) ist, die pro Exemplar mehr als ein Kilo auf die Waage bringen kann. Es wurden sogar Exemplare von über 2 Kilogramm Gewicht gefangen. Die Riesenkrabbe wird in einer gehaltvollen Tomatensauce serviert, die eher süß als scharf schmeckt. Fast ebenso wichtig wie die Krabbe sind die sogenannten „Buns“, fluffige Minibrötchen mit denen man die dicke Sauce aufnimmt.

Chili Crab gönnt man sich nicht jeden Tag, es ist ein teures Gericht. Und zu Hause kocht man in Singapur wenig. Man geht auswärts essen. Wo also bekommt man die beste Chili Crab?

Stadtansicht Singapur ChinatownBefragt man einen Singapurer, gerät man in eine kleinteilige Debatte: soll die Sauce eher dick- oder dünnflüssig sein, Ei enthalten oder besser nicht? Und: welches Restaurant bereitet dieses Gericht denn nun am besten zu? Kulinarische Erörterungen sind für Singapurer keineswegs trivial. Das Land ist ein Schmelztiegel an Volksgruppen aus allen Teilen Asiens, wovon die chinesischstämmigen Einwohner die größte Gruppe darstellt. Das spiegelt sich in der Küche und den Gerichten des Landes. Der sprichwörtliche Meltingpot ist in Singapur ein Kochtopf. Oder Wok. Chinesische Ingredienzen mischen sich mit ursprünglich malayischen, indonesischen oder indischen Gerichten. So entstand unter anderem die berühmte Nyonya-Küche.

Essen ist ein Teil der Identität Singapurs

Man kann sogar sagen, dass diese kulinarische Vielfalt ein bedeutender Säule der Identität der Singapurer ist. Das erklärt sich auch daraus, dass politische Teilhabe in diesem Land eher unerwünscht ist und, da das Wetter das ganze Jahr über gleich bleibt, schätzt man in Singapur, statt über Politik und Wetter zu sprechen, eher die kulinarische Konversation. Und das mit Leidenschaft.

Chili Crab – ein malaysisches Gericht? Unerhört!

So sorgte vor einigen Jahren die Meldung für Aufsehen, nein – Empörung, dass der Tourismusminister von Malaysia die „Chili Crab“ als originäres Gericht Malaysias reklamierte. Unerhört!

Bei meinem letzten Stopover in Singapur war ich also auf Chili-Crab-Mission. Ich hatte gründlich recherchiert. Dabei stieß ich immer wieder auf die gleichen Adressen. Ihr findet sie weiter unten auf dieser Seite. Keines dieser Lokale ist aber unter Singapurern oder dort lebenden Expats unumstritten. Hier soll es zu teuer sein, da soll es um die Qualität der Krabben nicht zum besten bestellt sein, dort ist die Lokalität dürftig und der Chefkoch ein Ekel.

Wer hats erfunden? Das „Rolands“ – Originalrezept von 1956

Vielleicht geht man am besten zurück zum Ursprung. Wer hat die Chili Crab erfunden? Hier wurde ich fündig. Namentlich bekannt ist nämlich Madame Cher Yam Tian, die mit ihrer Familie in den 1950er Jahren an der Ostküste Singapurs lebte, an deren Stränden ihr Mann besagte „Mudcrabs“ fing. Bis dahin hatte man in Singapur Krebse über Dampf gegart und pur gegessen. Madame Cher Yam Tian soll die erste gewesen sein, die die Schlammkrabe in würziger Tomatensauce garte. 1956 eröffnete die Familie ein kleines Restaurant am am Ufer des Kallang River. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Mit einigen Wendungen: In den letzten sechzig Jahren vergrösserte sich das Familienestaurant, zog diverse Male um, und wurde in Teilen sogar veräussert. Bis Roland Lim, Enkel der Madame Cher Yam Tian, im Jahr 2000 das Restaurant „Rolands“ eröffnete und Großmamas Chili Crab Rezeptur wieder in der ursprünglichen Fassung auf den Tisch brachte.

Also, nichts wie hin! Gleich vorweg: es gibt schönere Lokale als das „Rolands“, das im 6. Stock eines Parkhauses liegt. Aber Original ist nun mal Original. Da dies mein erster „Chili Crab“ sein sollte, haben wir einen Freund mitgenommen, der in Singapur lebt und ein großer Freund des Gerichtes ist. Erstaunlicherweise kannte unser Freund das „Rolands“ nicht und hatte auch Mühe das Restaurant zu finden, es liegt nicht gerade in einer „fancy“ Gegend und wirklich versteckt.

Ich hatte so meine Zweifel. Immerhin hätten wir das edle Mahl auch in einem schicken Restaurant in Strandnähe einnehmen können. Nun stand ich in der Pflicht. Im Parkhaus! Schick ist das „Rolands“ nicht, gemütlich auch nicht. Wir betreten einen riesigen Saal mit niedriger Decke, hell ausgeleuchtet, eingerichtet mit unzähligen runden Tischen und Platz für mehre hundert Personen. China-Style also. Ein paar Fische und Hummer drehen ihre Kreise in in der Wand eingelassenen Aquarien. Wir ordern Chili Crab, und da wir schonmal dabei sind, auch gleich die berühmte „Black Pepper-Crab“.

Chili Crab Singapurs kulinarisches Wahrzeichen
„Chili Crab“ in dicker Sauce

Die Chili-Krabbe kommt in einer großen Schüssel auf den Tisch, sie badet in dicker Sauce. Eingedeckt ist mit – Stäbchen und Nusszange!? Gelinde gesagt eine Herausforderung, wir sind nämlich hungrig wie die Löwen. Die Schale des Krebses ist bereits angebrochen, immerhin. Aber ohne die süßen Brötchen, genannt „Buns“ oder „Mantous“, innen weich, außen knusprig, die man in die dicke „Gravy“ stippt, hätte ich vor Hunger und angesichts des schmalen Werkzeugs angefangen zu heulen. Der Rest ist Handarbeit.

Schalentier mit Stäbchen

Ums vorwegzunehmen: ohne die Bereitschaft sich einzusauen kommt man nicht weit. Vor allem nicht ans Krebsfleisch. Aber lustigerweise reicht man in ganz Asien gern nur ein dünnes Kleenex als Serviette und dazu ein eingeschweißtes Erfrischungstuch. Auf Nachfrage ein Plastiklätzchen.

Aber egal – es schmeckt großartig! Die Sauce scheint mir wichtiger zu sein als der Krebs. Überraschenderweise ist das Gericht überhaupt nicht scharf. Es schmeckt süß-tomatig, fruchtig aber auch sehr herzhaft, und ist sehr sättigend. Zu den Zutaten gehören Ingwer, Knoblauch, Ketchup, Tomatenmark und süße Chillisauce. Manche Rezepte sehen gesalzene Sojabohnen vor und Reiswein. Maismehl dickt die Sauce an, das Ei in der Sauce ist, wie gesagt, umstritten. Natürlich hat man mir im „Rolands“ nicht das Rezept verraten. Ich werde das Gericht bei Gelegenheit mal nachkochen und „meine“ Rezeptur nachreichen, sofern der Versuch gelingt.

Mein Resümee, ja, es lohnt sich die „Chili Crab“ im „Rolands“ zu essen. Aber nehmt nur gute Freunde mit, wir waren am Ende völlig mit Sauce bekleckert – und die Tischdecke – frage nicht! Die etwas distanzierten und des Englisch nicht mächtigen Kellner haben dankenswerterweise keine Miene verzogen.

Mein Näschen hatte mich also nicht im Stich gelassen und unser Freund aus Singapur bezeugte, dass dies seine beste Chili Crab „ever“ war. Puh – Glück gehabt!

Die wichtigsten Adressen:

Roland Restaurant Proprietary Limited
89 Marine Parade Central, # 06/ 750, Singapur 440089, Tel. +6564408205
Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag von 11.30 bis 14.30 und 18.00 bis 22.30
Sonntags und an Feiertagen von 18.00 bis 22.30
http://www.rolandrestaurant.com.sg

Jumbo Seafood – Riverside Point
30 Merchant Road, # 01-01/02, Riverside Point
+65 6532 3435
Jumbo Seafood – Dempsey
11 Dempsey Road
+65 6479 3435
Jumbo Seafood – East Coast Seafood Centre
1206 East Coast Parkway #01-07/08
East Coast Seafood Centre
+65 6442 3435
Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag von 17.00 bis 23.45
Sonntags von 12.00 bis 24.00
http://www.jumboseafood.com.sg/outlet-eastcoast.html

No Sign Board
1 Harbourfront Walk# 03-02 Vivo City,
Singapore 098585
+6563769959
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 11.00 bis 22.30
weitere Filialen see on: http://www.nosignboardseafood.com

Red House Seafood
Blk 1204, #01-05 East Coast Seafood Centre
Singapur 449882
Tel. +65 6442 3112
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 15.00 bis 22.30
Samstag und Sonntag: 11.00 bis 33.30
http://redhouseseafood.com