Neulich in Kuala Lumpur: Durian – du Früchtchen!

Durian, Durianverbot

Neulich in Kuala Lumpur: Durian – du Früchtchen!

Die Durian, Ihr habt bestimmt von Ihr gehört oder sie in Asien auf den Märkten und auf originellen Verbotsschildern gesehen, die der Durian (in Begleitung ihres Herrchens bzw. Frauchens) den Zutritt zu Hotellobbys, U-Bahnen oder sonstigen geschlossenen Räumen verbieten.

Nicht ohne Grund: 2012 musste eine Maschine der Lion Air in Medan mit einer Stunde Verspätung starten, weil ein Passagier im Handgepäck eine Durian mit sich führte. Die Fluggäste verlangten empört nach Ausstieg und frischer Luft, was ihnen die Crew schließlich auch gewährte.

Weil es aber ein ganz tolles Geschmackserlebnis sein soll, wenn man sich erstmal mit dem Früchtchen angefreundet hat, versuche ich seit Jahren, mit großen Abständen zwischen den Versuchen, mir diese „Königin der Früchte“, so nennt man sie in Südostasien, zu erschließen. Denn Leute, die die Durian lieben, geraten ins Schwärmen und beschreiben ihren Geschmack mit Erdbeer, Sahne und Ananas; objektivere Menschen verschweigen nicht ihre zwiebeligen und alkoholischen Noten.

Originellerweise gibt man noch Stunden

nach dem Verzehr, so weit man ein Bäuerchen tut,

eine kleine Durianwolke von sich.

In Südostasien, Malaysia und Thailand vor allem, ist man so stolz auf die, übrigens recht teure, Frucht, dass man Degustationen und Wettbewerbe veranstaltet, Sorten und Reifegrade diskutiert.
Ich stelle mir das so vor, wie die heiligen Handlungen und Diskussionen, wie sie sich in Deutschland zur Zeit der Spargelernte zutragen: Schwetzinger, Schrobenhausener oder Spargel aus dem Alten Land? Mit violettem oder weißem Köpfchen, mit Schinken oder Schnitzel, gedämpft oder gebraten?

Natürlich weckt so ein Brimborium mein Interesse!

Vielleicht muss man in manche Liebhaberei einfach hineingeboren sein. Mein erster Versuch vor Jahren jedenfalls endete mit unterdrücktem Würgereiz. Ich konnte das Fruchtleisch, das mit meinem Gaumen verklebt schien, der Höflichkeit wegen, und weil es eben klebte, nicht ausspucken, und, weil mir freundliche Gastgeber aufmunternd und erwartungsfroh zulächelten. Aber mein Gesichtsausdruck sprach Bände, und meine indonesischen Freunde lachten herzlich und schamlos.

Originellerweise gibt man noch Stunden nach dem Verzehr, so weit man ein Bäuerchen tut, eine kleine Durianwolke von sich.
Ich denke, es ist deutlich geworden, die Durian und ich, wir sind nicht so dicke.

Da man aber als Hardcore-Allesfresser alle Speisen mindestens 5 mal probieren sollte – das hat ein bedeutender Kulinariker, dessen Name mir gerade entfallen ist, einmal gesagt, und daran glaube ich-  bevor man sie endgültig ad acta legt, habe ich es neulich in Kuala Lumpur mal wieder auf einen Versuch ankommen lassen.

Der Händler in der Jalan Alor in Kuala Lumpur zerlegte das stachelige Ding mit Ernst und Würde. Er löste sorgfältig die goldgelben Fruchtkörper aus Ihrer harten Schale, um sie nicht zu verletzen. Schön sieht das aus. Das cremige Fruchtfleisch, das die großen Samenkerne umhüllt, ist von einer zarten seidigen Haut umspannt. Es riecht nach gelben Früchten, Ananas,… Zwiebeln,…sehr altem Käse, leicht spritig, vergoren – und dezent faulig.

Übrigens schmeckt es auch so. Das Mundgefühl: voll, schmierig, fettig, ein kleines bisschen faserig.

Ich lege das Projekt nun wieder ein Jahr auf Eis.