Der schönste Wet Markt Bangkoks: Nonthaburi

Bangkok: Nonthaburi Wet Market

Der Besuch von Wet Markets gehört zu meinen größten Vergnügen, wenn ich durch Asien reise. Dort findet man alles, was man essen kann – aber nicht alles davon möchte man unbedingt in den Mund nehmen …

In ganz Asien gibt es sogenannte „Wet Markets“. Kleinere, größere und solche gigantischen Ausmaßes, über die man stundenlang schlendern kann. Hier bieten Händler an Straßen, auf Gehwegen und in angrenzenden Gebäuden, oftmals provisorische Wellblechsiedlungen, ihre Waren an.

Frau am Gemüsestand in Bangkok Nonthaburi

Auf Bangkoks Nonthaburi Wet Market bietet so gut wie alles, was essbar ist: fertige Speisen, die man in kleinen Tüten mitnimmt, nebst frischen Viktualien aller Art wie etwa Fleisch, Fische oder … Frösche. Auch findet sich fast jedes Obst und Gemüse, solches welches man kennt, und so einiges, welches zumindest ich, noch nicht gesehen habe.

Gemüse und Getier so weit das Auge reicht, je nachdem, mit Haut und Knochen oder ohne, frisch, gesotten, getrocknet, gehackt oder auch fermentiert. Darüber hinaus finden sich Gewürze jeder Art, bunte Süßigkeiten und Regenschirme, die unterschiedlichsten Haushaltsartikel und Kurzwaren aller Art sowie bunte Unterwäsche, lustige Markenartikel-Fakes und, sehr beliebt, viele rosafarbene Hello-Kitty-Artikel.

Die Wege zwischen den Ständen glänzen nass vom Wasser, daher wohl der Name. Da es an elektrischer Kühlung fehlt, werden empfindliche Lebensmittel auf Eis gelegt und die Wege mit Wassergüssen gekühlt. Letzteres gelingt je nach Wetterlage so gut es eben geht, aber schon ab 11h vormittag fordert die Hitze Bangkoks ihren Tribut, und spätestens dann dampfen und wabern die Gerüche, dass es nur so eine Art hat. Viele Märkte bleiben aber bis in den Nachmittag geöffnet, und die Fülle an Waren scheint unerschöpflich.

Mein Favorit in Bangkok ist der Nonthaburi Marktet. Erstaunlicherweise habe ich dort selbst in touristischen Hochzeiten kaum je andere Touristen gesehen. Hier türmt sich alles, was die Flora und die Fauna so hergibt, und man sieht der offensichtlichen Wahrheit ins Gesicht: Wir essen Tiere!

Man sieht der offensichtlichen

Wahrheit ins Gesicht: Wir essen Tiere!

Für viele Menschen beginnt die Essenszubereitung ja mit dem Griff zur Schere, um die Tüte aufzuschneiden. Und viele von uns versuchen den Gedanken zu verdrängen, dass das, worauf sie gerade genüsslich kauen, einmal laufen konnte, ein Hühnerbein beispielsweise. Diese Haltung ist in den städtischen Regionen Nordamerikas, und Mitteleuropas besonders ausgeprägt. Aber schon in südeuropäischen Markthallen liegt der zum Schnitzel gehörige Schweinekopf in der Auslage.

In Asien wird da nichts verdrängt oder bemäntelt. Auf den Tischen häufen sich Hühnerfüße, Schweineköpfe, und -ohren sowie Innereien jeglicher Art. Die ganze Anatomie eines Hühnchens liegt ausgebreitet, und Fische werden lebend erstanden sowie vor den Augen des Kunden zappelnd ausgenommen. Vieles erscheint uns befremdlich – wie die angebotenen Insekten, Schildkröten und gehäutete Frösche. Aber man hat ja die Wahl.

To Eat or not to Eat – das ist hier die Frage

Von der chinesischen Esskultur, die eine bedeutende Grundlage gerade der Thaiküche ist, sagt man ja immer, dort würde alles gegessen, was Beine hat. Ich kann das hier weder bestätigen noch verneinen, aber es wird doch deutlich bunteres Getier gegessen als im Westen. Aber: in Asien wird wirklich alles vom Tier gegessen und so gut wie nichts weggeworfen. Kann man von unserer modernen Esskultur ja nicht behaupten.

With „Everything“

In diesem Zusammenhang gehört zu meinen schönsten neu erlerneten sprachlichen Wendungen, die ich in einem meiner Lieblingsrestaurants in Bangkok gelernt habe, „with everything“. Fischsuppe mit „everything“, das war in meinem Fall auch das teuerste Gericht der Karte (umgerechnet 10 Euro, das ist in Bangkok viel!). Everything, da dachte ich „mit Pipapo“, also Krebsschwänze, Venusmuscheln, na ihr wisst schon, Luxus! Brimborium!

Aber nichts da! Everything, das ist das ganze Tier, der Schwanz, der Kopf und der Rogen des Fisches, nebst dem Filet. Das nenne ich mal eine Würdigung des Tieres, das da sein Leben lassen mußte. Und es hat sehr gut geschmeckt, everything!

Dabei fällt mir ein: sogar Fischaugen gelten in Asien vielerorts als Delikatesse, „die zerplatzen so schön im Mund“ sagte mir eine vornehme Dame aus Singapur bei Tisch, während mir gerade Bilder aus Indiana-Jones-Filmen in den Sinn kamen – oder aktueller: aus dem „Dschungelcamp“ .

Aber als beinharte Kulinarikerin weiß ich: Wenn ich mich für kulinarische Neugier oder aber Zimperlichkeiten entscheiden müsste, würde ich mich jederzeit für das Erstere entscheiden. Außerdem bin ich für freie Meinungsäußerung……