Der Oman: Das Wichtigste über Land und Leute

Oman Corniche Maskat Oman Corniche Maskat

Sultanat Oman, ein märchenhaftes Reiseland!

Über den Oman wußte ich bis kurz vor Reiseantritt nur wenig. Ein arabisches Land, gut. Aber wo liegt der Oman überhaupt? Wie sieht es dort aus? Wie leben die Menschen dort? In diesem Artikel erfahrt Ihr, was Euch im Oman erwartet. Landschaft, Menschen, Abenteuer und Hintergrundwissen. So viel vorweg: der Oman ist mehr als eine Reise wert!

Die Landschaft des Oman: Strände, Wüsten und Berge von mehr als 3000 m Höhe

Der Oman ist etwa so groß wie Deutschland. Im Westen grenzt das Land an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und an Saudi Arabien, im Südwesten an Jemen.

Der Osten des Landes besteht aus einer 1700 km langen Küste entlang des Golf von Oman. Die landschaftliche Vielfalt des Oman ist enorm: im Osten Strand und Meer soweit das Auge reicht, daran angrenzend Berglandschaften von über dreitausend Meter Höhe. Das Landesinnere besteht größtenteils aus  Wüste. Ein großer Teil davon gehört zum berühmten „empty Quarter“ (Rub-al-Chali), der größten Sandwüste der Erde, die sich bis in die Nachbarstaaten ausdehnt. Am südlichen Ende des Landes herrscht tropisches Klima, mit teils reicher Vegetation.

Oman, märchenhaftes Land

 

Der Oman ist schön wegen all der Dinge, die es dort nicht gibt

Der Oman ist ein beschauliches, ruhiges und sicheres Reiseland. Alles Laute, marktschreierische, akustisch wie optisch, fehlt. Der Oman ist auch besonders reizvoll, wegen all der Dinge, die es dort nicht gibt: Es gibt keine hauswandgroßen Werbeflächen, keine laute Hitparadenbeschallung, und so gut wie kein Nachtleben.

Im Stadtbild der Hauptstadt Muscat finden sich weder hundertstöckige Glaspaläste noch gigantische Shoppingmalls wie beispielsweise in Dubai. Selbst in der Hauptstadt Maskat endet die Bebauung bei ungefähr 10-stöckigen Gebäuden. Die einheitliche helle Farbgebung des Stadtbildes sorgt auch optisch für Ruhe. Der Verkehr in Maskat ist, für städtische Verhältnisse, friedlich. Fährt man über Land kann es passieren, dass man für einige Kilometer kein anderes Auto zu Gesicht bekommt.

Outdoor-Aktivitäten: Bergwandern, Fahrradtouren, Schnorcheln und auf Dromedaren reiten

Das Land ist dank seiner diversen Landschaften, Gebirge, Küsten, Sandwüsten und seiner kargen Besiedlung betörend schön. Der Oman ist kein Land, um 14 Tage am Strand zu liegen. Man würde vieles verpassen: ausgedehnte Wanderungen im Jebel Akhdar Gebirge beispielsweise, Jebel Shams  der Sonnenberg, ist mit über 3000 Meter, der höchste des Landes. Die Unterwasserwelt des Oman ist für Schnorcheln und Taucher interessant.

Die erbsengrünen Wasser der Wadis des Oman laden zum Schwimmen ein. Wadis, das sind natürliche Felsbecken in ehemaligen Flußläufen, sie liegen eingebettet in teils gewaltigen Bergschluchten. Wadi Shab und Wadi Tiwi, um nur zwei zu nennen, sind das ganze Jahr wasserführend.

Für echte Abenteurer besteht die Möglichkeit die Sandwüsten des Landes per Jeep und sogar auf einem Dromedar-Rücken zu überqueren. In den Wüstencamps der Wahiba-Wüste kann man sternenklare Nächte verbringen und Beduinen-Feeling schnuppern.

Schönheit in Stein: Burgen, Festungen und Moscheen

Oman, Muttrah, Souq

Die berühmtesten Soukhs (Souqs) des Landes finden sich in Muttra (auch: Mutrah, Großraum Maskat) und Nizwa. Im Souqh von Muttra (Bild links, Straße in Muttra, die zum Soukh führt) kann es recht voll werden, denn am dortigen Hafen bringen täglich mehrere Kreuzfahrtschiffe tausende von Tagestouristen an Land. Beliebte Reisesouvenirs sind Weihrauch, Datteln und Gewürze, aber auch Gold- und Silberschmuck und die berühmten Krummdolche (Khajar) des Oman.

Der Soukh von Nizwa ist eine kleine Stadt für sich und ist vor allem für seinen Viehhandel berühmt. Die dortigen Händler sind meist Einheimische. Fast alle omanischen Männer tragen das traditionelle Gewand, den Dischdascha, und Turban oder Kumma auf dem Kopf. Das gibt dem Marktgeschehen beinahe eine biblische Anmutung. Auch bei einem Besuch der vielen Burgen und Festungen des Landes kann man sich auf Zeitreise begeben und mit einem Besuch des Forts von Nizwa oder der Burg Jabreen in das mittelalterliche Oman eintauchen.

Eines der beeindruckendsten Erlebnisse war für mich der Besuch der Sultan-Qabus-Moschee in Muscat. Es ist ein gigantischer, dabei freundlicher, lichter Bau aus hellem Sandstein von atemberaubender Pracht. Man kann sich nicht satt sehen an den steinernen Intarsienarbeiten und Mosaiken entlang der Bogengänge, den floralen Ornamenten eines der größten handgeknüpften Teppiche der Welt, den Arabesken und Kalligraphie, die Wände und Decken zieren. Hier ein Rundgang durch die Sultan-Qabus-Moschee:

Religion und Kleiderordnung

Oman, Kopftuch muß man nur in der Moschee tragen
Oman, Kopftuch muß man nur in der Moschee tragen

Noch ein Wort zur Religion: die Omani sind in großer Mehrheit moslemische Ibaditen, die eine tolerante Auslegung des Islam leben. Andere Religionen werden akzeptiert. Zum Stadtbild Maskats gehören Hindutempel, christliche Kirchen und Moscheen anderer islamischer Glaubensrichtungen. Diese Toleranz ist spürbar. Ich hatte den Eindruck, dass unsere westliche Erscheinungsweise freiweg akzeptiert, nicht aber kopiert, wird. Auch Gespräche mit Männern stellten für Frauen kein Problem dar. Es wird gern gesehen, und sollte ein selbstverständlicher Akt der Höflichkeit sein, wenn Männer wie Frauen knie- und schulterbedeckende Kleidung tragen, und als Frau sollte man zum Baden lieber einen Einteiler als einen Bikini anziehen. Und die linke Hand sollte man nicht benutzen, nicht bei Tisch und nicht, wenn einem freundliche Einheimische eine Tasse Khawa und Datteln reichen.

Märchenhafter Luxus  – kein Land für Budgettourismus

Der Oman hat Hotels und Ressorts von märchenhaftem arabischen Luxus. Das Chedi-Muscat zählt zu den bekanntesten Hotels des Oman und Luxushotellerie scheint in diesem Land keine Grenze nach oben zu kennen. Preise und Ausstattung des Chedi sind lange von noch luxuriöseren Hotels und Ressorts übertroffen. Eine Nacht in ein einem der Superluxus-Etablissements des Landes beginnt erst bei einigen hundert Euro pro Nacht und kann bis weit über 3000 Euro kosten. Kein Wunder, der Oman ist eine Sommerfrische für die superreiche Klientel der benachbarten Ölstaaten.

Oman, Luxushotel, InnenansichtAuch wenn man bereit ist einfach zu wohnen, ein Zimmer für unter hundert Euro pro Nacht ist schwer zu bekommen. Für Budgetreisende ist der Oman nur bedingt geeignet. Öffentlicher Nahverkehr existiert praktisch nicht. Es gibt einige wenige Busverbindungen und die Möglichkeit Sammeltaxis zu nutzen. Will man das Land bereisen, kommt man aber um Autofahren nicht herum. Das Straßennetz ist brandneu und reicht bis in die höchsten Erhebungen des Jebel Akhdar Gebirges. Die meisten dieser Strecken dürfen aber nur mit Geländewagen befahren werden.

Die Menschen des Oman – Leben zwischen Tradition und Moderne – Gleichberechtigung versus Kultur

Bis vor 40 Jahren lebten die Omani arm und politisch isoliert in fast mittelalterlicher Rückständigkeit. Große Teile der Bevölkerung lebte von der eigenen Landwirtschaft. Erst mit der Amtsübernahme des heutigen Königs, Sultan Qabus ibn Said, der das Land als absoluter Monarch regiert, öffnete sich der Oman und erlebte, bedingt durch die Erschließung seiner Erdölvorkommen, einen raschen wirtschaftlichen und politischen Aufstieg. Sultan Qabus reformierte das Staats- und Bildungswesen. Frauen sind im Oman rechtlich den Männern gleichgestellt. Sie dürfen arbeiten, Auto fahren und öffentliche Ämter bekleiden. Der rechtlichen Gleichstellung steht die Tradition des Landes entgegen, zwar gibt es mittlerweile sogar weibliche Unternehmerinnen in Oman, der Anteil von Frauen an der berufstätigen Bevölkerung liegt aber nur bei etwa 20 Prozent.

Dass mag auch am Reichtum des Landes liegen. Den Omani geht es vergleichsweise gut. Seit dem Beginn der Erschließung der Erdöl- und Gasvorkommen des Landes, ist der Oman so wohlhabend, dass sowohl das Bildungs-, wie auch das Gesundheitswesen kostenlos sind. Auch Steuern werden nicht erhoben. Jedem Omani steht Baugrund kostenlos zur Verfügung, und, falls die Mittel nicht reichen, geht auch der Hausbau auf Staatskosten – sozialer Wohnungsbau a là Oman.

Die Arbeitslosenquote des Oman ist relativ hoch. Denn Omani arbeiten bevorzugt in der Verwaltung des Landes, wohingegen beinahe alle Dienstleistungen an „Gastarbeiter“ vom meist indischen Subkontinent delegiert werden. Zu den 3 Millionen omanischer Bevölkerung gesellen sich ca. 1 Million Inder und Pakistani, die in der Hotellerie, der Gastronomie, im Handel, Handwerk und in der Landwirtschaft arbeiten. Im Dienstleistungsgewerbe wird man, mit Ausnahme von Taxifahrern, kaum je einen Omani zu Gesicht bekommen.

Wir haben das Land übrigens, dank fehlender Reiseplanung, mit dem Taxi bereist. Es war ein wunderbares Erlebnis, dank Mohammed, Mohammed und Achmed!

Es gibt Orte, die weiten das Herz und öffnen den Himmel in dir. Der Oman ist so ein Ort.