London: Das besondere Restaurant, das Ellory in Hackney

Ellory London Hackney Bar

Ein Besuch im Restaurant Ellory in London-Hackney

London ist, was gutes Essen angeht, sicher einer der interessantesten Orte der Welt. Sowohl was Vielfalt als auch Qualität des Essens angeht, steht London sicherlich in den Top-Ten Food-Destinations der Reiseziele für Feinschmecker. Nun habe ich mich, in meiner Rolle als Trüffelschwein in London auf die Suche gemacht nach neuen kulinarischen Hotspots. Und fand das Ellory in London Hackney.

Vorbedingung: moderate Preise

Vorbedingung meiner Wahl: Es sollte Hochküche sein, aber, auch das liebe ich an Londons Gastronomie, sich im Rahmen dessen befinden, was man heute „Casual Dining“ nennt. Also zwanglos, keine flüsternden Kellner oder gestärkte Tischwäsche und es sollte pro Person – für das Menü – deutlich weniger als 100 Euro kosten. Ich wurde fündig und möchte Euch einige mundwässernde Gerichte des Ellory präsentieren.

Das Ellory liegt in Hackney, kein Ort, der bislang für „fine dining“ berühmt ist. Aber wie in allen Metropolen macht sich die gute Lebensart bis in die ehemaligen Arbeiterviertel der Stadt breit. Hackney ist noch immer kein Glanz, aber ihr wisst – das leidige Thema Gentrifizierung, Hackney ist auf dem Weg groovy zu werden.

Ellory in Netil House, London Hackney

Das Ellory liegt in Netil House. In dem Gebäude finden sich viele Kreativstudio und eine Rooftop Bar im obersten Stock. Zuvor war hier ein Nachtclub, bevor dasEllery hier im Herbst 2015 eröffnete.Genau das richtige Publikum für „fancy food“ bei moderaten Preisen.

So ist das Ellory an einem Samstag Abend bis auf den letzten Platz, von insgesamt 48, besetzt. Wir haben Tage vorher reserviert. Die Einrichtung ist schlicht, aber fein. Man sitzt an einfachen Holztischen in einem eher cleanen Setting, aber der Raum ist warm beleuchtet, so dass es recht gemütlich ist. Schmuck des Lokals ist ein prächtiger Marmortresen, die Küche ist zum Gastraum offen und man kann zusehen, wie die Teller angerichtet werden. Meine Lieblingsbeschäftigung.

Erfahrung aus dem River Café, Spring und Mayfields

Der Chef des Ellroy, Matthew Young, kochte zuvor im Mayfields, und den Sommelier, Jack Lewens, kennen wir noch von seiner Zeit, als er im „Spring“ und im „River Cafe“ für die Weinkarte verantwortlich war.

5 Gänge für 38 Pfund und bitte kein Schnickschnack

Wir bestellen ein 5-Gänge-Menü für 38 Pfund pro Person. Das ist für die Qualität des Menüs mehr als in Ordnung. Die passende Weinbegleitung würde nochmals 38 Pfund pro Person betragen, so entscheiden wir uns für einen Flaschenwein, einen Verdelho aus Galizien.

Eine bestimmte Küche als „modern“ zu bezeichnen klingt mittlerweile ziemlich abgedroschen, ist aber die Beschreibung, die mir sofort passend scheint. Modern in dem Sinne, dass die Gerichte leicht sind, die Geschmackseindrücke klar und feingliedrig herausgearbeitet, dass Fleisch nur eine Nebenrolle spielt und nicht als Lieferant für Vollmundigkeit herhalten muß und dass regionale Produkte verwendet werden. Und: kein Schnickschnack, keine unnötige Opulenz. Wenn ein Schäumchen oder Sößchen keinen Sinn macht, dann kann das weg.

Diese Konsequenz habe ich hier besonders bei zwei Gerichte der Karte gefunden und beide haben mich tief beeindruckt. Zum einen war es die Vorspeise:

Rohe Jacobsmuschel, Kastanie und Topinambur

Ellory London Jacobsmuschel Topinambur KastanieDie Jacobsmuschel liegt in hauchdünne Scheiben geschnitten auf einem Spiegel von cremiger Topinambur in einer Öl-Limonen Emulsion. Auf dem Teller ist das ein Traum in weiß, geschmacklich im besten Sinne schlicht, und zugleich komplex. Die zarte Erdigkeit der Topinambur betont die Frische der Jacobsmuschel. Der knackige Biss der Esskastanie ist sensorisch schön und überraschend und ergänzt die Geschmacksnoten um eine milchig-nussige Süße. Die leicht Ölemulsion bringt hellgrün-zitronige Aromen und eine leichte Süffigkeit an das Gericht. Eines meiner Top Gerichte der vergangenen Monate.

Geflügel und Fisch

Zwischengang ist eine gegarte Stange Lauch (Calcots) mit Ziegefrischkäse und Forellenkaviar. Das Fischgericht ist eine Tranche vom Glattbutt mit Spinat und Wildartischoke. Sehr Delikat! Zum Hauptgang folgen Huhn mit Wildpilzen in einer leicht sahnigen Emulsion. Eher ein Gericht, dass ich „lecker“ nennen würde. Im besten Sinne lecker. Klassik, leicht interpretiert.

Die zweite Überraschung des Abends: das Dessert, ein Traum!

Die volle Explosion des Könnens von Matthew Young findet sich noch einmal im Dessert. Wieder ist es ein Gericht ganz in Weiß gehalten. Ein Birnensorbet mit Feta und Salbeiöl. Klingt gar nicht nach Dessert, schmeckt aber wie eins. Das Sorbet schmeckt wie die ideale Idee von Birne, der Feta ist ganz jung und mild milchig mit einer Spur Säure, das Öl gibt Fruchtigkeit und bringt, wie bei der Vorspeise grüne, und eher ätherische Aromen an das Gericht.

Ellory London Dessert Birnensorbet mit Salbeiöl

Das Ellory ist definitiv einen Besuch wert und macht auch Vegetarier glücklich.

Ellory, Netil House
1 Westgate St
London, Hackney E8 3RL
Telefon: +442030959455
http://www.ellorylondon.com

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 17h bis 23h, Küche ab 18h

Tube: Central Line (die rote) bis Bethnal Green